Vereinsgeschichte


Die Sicherung der Anwesen vor Feuer war seit jeher ein großes Anliegen der Bevölkerung. Schon die früheren Herrschaften versuchten, die Risiken von Feuersbrünsten in ihren Herrschaftsbereich zu reduzieren. Eine besonders große Brandgefahr ging dabei von den früher üblichen Strohdächern aus. Deshalb legte das Domkapitel Augsburg, das seit 1589 die Herrschaft über den Ort Steinekirch ausübte, im Jahre 1599 per Dekret fest, dass jedem, der sein Strohdach abwerfe und durch ein Ziegeldach ersetze, die Hälfte der Kosten des Ziegeldaches bezahlt werde. So kommt es, dass gerade in den Herrschaftsgebieten des Domkapitels, so auch in Steinekirch, bereits frühzeitig zahlreiche Ziegeldächer anzutreffen waren. Unabhängig davon kam es immer wieder zu Bränden, die eine Gefahr für den Ort darstellten. Im Laufe der Zeit schlossen sich deshalb Männer zusammen, die den Feuerschutz übernahmen.

Die Freiwillige Feuerwehr, wie sie heute besteht, wurde im Jahre 1894 gegründet. Zuvor bestand bereits eine Pflichtfeuerwehr, über die jedoch nur wenig bekannt ist. Aus den alten Büchern ist zu entnehmen, dass im Jahr 1837 für 300 Mark eine „Feuerlöschmaschine“ erworben wurde, die den Gemeinden Steinekirch, Gabelbach, Fleinhausen und Grünenbaindt gemeinsam gehörte. Es handelte sich dabei um einen hölzernen Behälter, in den das mit Ledereiern herbeigetragene Wasser geschüttet und mit einer handbetriebenen Pumpe weitergepumpt wurde. Diese alte Pumpe war bis nach dem zweiten Weltkrieg im alten Pfarrstadel gestanden. Danach war sie nicht mehr auffindbar.

Um das Jahr 1890 wurden in vielen Orten des Amtsbezirkes freiwillige Feuerwehren gegründet, die die Pflichtfeuerwehren ablösten. Diesem Beispiel folgte am 20. Mai 1894 auf Initiative des damaligen Bürgermeisters, Mathias Bengeser, auch die Gemeinde Steinekirch. 25 Mitglieder schrieben sich damals ein. Bengeser übernahm dabei das Amt de Vorstandes, Johann Hartmann wurde Kommandant. Für die „Chargierten“ (Kommandant und Zugführer) wurden 1894 zwei Kommandantenhelme aus Messing mit weißem Roßhaarbusch für 14,90 Mark, ein Messinghelm mit rotem Busch für 7,45 Mark, sechs Helme mit schwarzem Busch und 21 Mannschaftshelme ohne Busch für insgesamt 85,25 Mark erworben. Darüber hinaus wurden ein Jahr später zwei Signaltrompeten angeschafft, von denen heute noch eine vorhanden ist. Im Jahr 1898 legte sich die Gemeinde eine Saug- und Druckspritze der Firma Braun in Nürnberg zum Preis von 1120 Mark zu, die ebenfalls, wie die alte Spritze, von Pferden gezogen wurde.

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Die Feuerspritze von 1898.
1899 stifte der Brauereibesitzer Georg Wall ein sogenanntes „Trinkhorn“. Laut Protokoll durfte dieses Horn bei Feuerwehranlässen verwendet werden, wenn mindestens drei Mitglieder die Zustimmung gaben. Verantwortlich für das Horn war der damalige Wirt, Georg Wall. Sollte der Wirt aus der Feuerwehr austreten, sollte auch das Horn aus seiner Wirtschaft entfernt werden.

Schon 1903 waren alle Mitglieder mit Dienströcken uniformiert. Dabei mussten 2 bis 4 Mark aus eigener Taschen zugezahlt werden. Nach dreijährigen aktivem Dienst ging die Uniform in das Eigentum des Feuerwehrmannes über.

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Die Freiwillige Feuerwehr mit ihren neuen Uniformen im Jahr 1903.
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Feuerwehrübung an der Hofstatt unter Gruppenführer Leonhard Peter
1935 wurde auf Anordnung des Landratsamtes eine mit vier Mann besetzte Luftschutzbewachung (Luftschutzblockwarte) aufgestellt, deren Mitglieder durch Bürgermeister Josef Baumeister bekanntgegeben wurden. In den Kriegsjahren 1939 bis 1945 war die Wehr durch den Einzug der aktiven Männer zum Kriegsdienst stark geschwächt. Fünfzehn- bis sechszehnjährige Burschen mussten den Dienst in der Feuerwehr übernehmen. Diese junge und unerfahrene Feuerwehrtruppe musste jedoch nicht eingreifen, denn während besonders in Augsburg gegen 1944 die Luftangriffe zunahmen, blieb Steinekirch von Bombenangriffen verschont.

Nach Ende des Krieges konnte schon bald wieder eine Feuerwehr ausgebildet werden. Um die Einsatzbereitschaft dieser Wehr zu erhöhen, beschaffte die Gemeinde aus alten Luftschutzbeständen der Stadt Augsburg eine Motorenspritze mit Fichtel- und Sachsmotor. Da die Zuverlässigkeit dieser Spritze jedoch sehr zu wünschen übrig ließ und oft versagte, entschloß sich die Gemeinde 1956, bei der Firma Fischer in Dinkelscherben eine mit VW-Motor getrieben TS8 (Tragkraftspritze) zu erwerben.

Da in der Gegend viele Vereine Fahnenweihen abhielten, entschloß sich auch die Freiwillige Feuerwehr Steinekirch zur Anschaffung einer Fahne. Durch Spenden und Zuschüsse finanziert konnte 1959 für 1550 Mark eine Fahne bei der Firma Groppers in Friedberg bestellt werden, die am 5. Juli 1959 im Garten von Franz Hartmann durch Pfarrer Bruno Kusterer aus Zusmarshausen eingeweiht wurde. Höhepunkt der Fahnenweihe war ein Festumzug, der den Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben sollte: aufgrund des heißen Wetters musste die Feuerwehr den fast flüssigen Teer auf der Straße spritzen, um den Umzug zu ermöglichen.

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Die Fahne der Freiwilligen Feuerwehr Steinekirch.
Zur besseren Alarmierung der Feuerwehr wurde im Jahr 1961 eine Sirene auf dem Schulhaus angebracht. Vier Jahre später konnte sich die Steinekircher Feuerwehr auch glücklicher Besitzer eines eigenen Fahrzeuges nennen. Dieser Ford Transit, ein Geräte- und Mannschaftswagen löste den Zweiradanhänger ab, auf den die Motorspritze mit Zubehör lange transportiert worden war. Fahrzeug und immer vielseitigere und umfangreichere Ausrüstung machten den Bau eines Feuerwehrgerätehauses notwendig. Viele freiwillige Arbeitsstunden der Feuerwehrmänner machten es 1974 möglich, das neue Haus nahe der Zusambrücke einzuweihen.

Mit der Eingemeindung Steinekirchs in den Markt Zusmarshausen ging auch die Aufwandspflicht für die Freiwillige Feuerwehr auf die Marktgemeinde über. Da die Leistung der alten Spritze nicht mehr ausreichend war, musste die Marktgemeinde am 15. September 1981 eine neue TS 8 beschaffen. Auch das mittlerweile 22 Jahre alte Feuerwehrauto wurde 1987 durch ein neues Fahrzeug ersetzt, welches am 18. Juli 1987 durch Geistlichen Rat Johann Kusterer gesegnet wurde.

Ein Höhepunkt der Vereinsgeschichte war zweifelsohne das 100jährige Gründungsjubiläum im Jahre 1994. Zahlreiche Feuerwehren aus nah und fern erwiesen dabei dem Verein die Ehre durch ihre Teilnahmen an dem sehenswerten Festumzug.

(aus: „Die Geschichte des Ortes Steinekirchs und seiner Bewohner“, Friedrich Beck und Thomas Herrmann.)

Auch 2019 soll wieder ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte werden. Die FF Steinekirch feiert ihr 125 jähriges Bestehen.